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Ganz nah dran am Patienten- Ausbildung zur Altenpflegefachkraft bei Diakonie ambulant

Ganz nah dran am Patienten

 

Ausbildung und Alltag in der ambulanten Pflege bei der Diakonie ambulant

 Sollen sich gut aufgehoben fühlen und in der Ausbildung einen Ansprechpartner haben: Alexander Baum (Mitte) beginnt im Oktober seine Ausbildung, Jasmin Scheib (rechts) ist im zweiten Lehrjahr. Für (von links) Pflegedienstleiter Ralf Menzel, Geschäftsführer Thomas Nehr und stellvertretende Pflegedienstleiterin Karin Richter hat die Ausbildung einen hohen Stellenwert – die Azubis werden von Mentoren begleitet. Fotos: J. Fiedler

Von Christine Schick- Murrhardter Zeitung 29.8.11

 

MURRHARDT. Alle reden vom demografischen Wandel, Ralf Menzel und das Team der Diakonie ambulant Gesundheitsdienste Oberes Murrtal haben sich längst auf die konkreten Auswirkungen eingestellt – weil es für sie zum Job gehört. Seit 2006 bildet die Diakonie ambulant auch regelmäßig aus, bereitet also junge Frauen und Männer darauf vor, als Altenpflegefachkraft zu arbeiten. Der Beruf sieht etwas anders aus als in einem Alters- und Pflegeheim. Wie die Kollegen sind die Mitarbeiter rein körperlich gesehen, sehr nah am Patienten dran, hinzukommt aber noch, dass sie im unmittelbaren Lebensraum der zu Pflegenden arbeiten. Eine doppelte Nähe, die ihre Vorzüge und ihre Probleme hat.

Viele alte Menschen wollen so lange wie möglich zu Hause bleiben. Die Arbeit in einem ambulanten Dienst hat außerdem einen wertvollen Vorteil, den Thomas Nehr, Geschäftsführer der Diakonie ambulant, beschreibt: Es gibt viel mehr Anknüpfungspunkte, um mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Manchmal reicht schon die Frage zu einem alten Möbelstück aus, um eine Erzählung anzustoßen. „Das ist im Krankenhaus schon schwieriger, da gibt es vielleicht nur ein Foto, vergraben in einer Schublade.“ Außerdem fühlen sich die Menschen nach der Erfahrung Nehrs in den eigenen vier Wänden souveräner, nicht so ausgeliefert.

Für Jasmin Scheib sind es im Grunde genau diese Aspekte, die für ihre Berufswahl und Motivation ausschlaggebend sind. Nach ihrem Schulabschluss machte sie ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Nikolauspflege in Welzheim, die Behinderte betreut. Sie wollte auf jeden Fall im sozialen Bereich bleiben und begann ihre Ausbildung in einem Pflegeheim. Doch der Umgang des Personals mit den Menschen gefiel ihr nicht. Also wechselte sie zur Diakonie ambulant, bei der sie zuvor schon ein Praktikum gemacht hatte. Die 21-Jährige sagt: „Ich finde es toll, zu den Menschen nach Hause zu kommen, ihnen dort im Alltag zu helfen.“ Für sie sind die unterschiedlichen Wohnorte faszinierend, besonders die älteren Häuser, Möbel und Bilder, die von einer anderen Zeit erzählen. Ralf Menzel nickt. Der 29-Jährige, seit März Pflegedienstleiter bei der Diakonie ambulant, erinnert sich, wie er vor längerer Zeit einmal eine alte Frau betreute, die in einer Mühle lebte. Die 85-Jährige erledigte ihre Morgentoilette am Brunnen, genauso wie den Abwasch. „Man ist in den verschiedensten Haushalten. Dort wird man mit Tatsachen konfrontiert, die dem modernen Denken überhaupt nicht entsprechen“, sagt Thomas Nehr. Ihm fällt ein alter Mann ein, der ihm klargemacht habe, dass ihn das tägliche Holzholen fit halte.

Diese besondere Nähe zu den Patienten erfordert gleichzeitig, eine professionelle Distanz aufrechtzuerhalten. „In manchen Fällen gehören sie praktisch zur Familie“, sagt Menzel. Schwierig sei allerdings, wenn man in familiäre Konflikte hineingezogen werde. Auch bedeutet die Arbeit, mit seelischen und körperlichen Leiden bis hin zu Sterben und Tod konfrontiert zu sein. „Damit muss man klarkommen und sollte die Arbeit ein Stück weit vom Privatleben trennen“, sagt er. Keine leichte Angelegenheit. „Ich finde aber auch, dass man im Beruf eine Menge Lebenserfahrung gewinnt, nicht mehr so blauäugig in den Tag hineinlebt. Man schätzt, wenn es den eigenen Eltern gut geht und die Zeit, die man gemeinsam verbringen kann.“ Jasmin Scheib freut sich besonders, wenn sie beispielsweise Zeit hat, eine Patientin mal wieder „so richtig schick zu machen“ und „sich über früher zu unterhalten“. „Natürlich ist es nicht einfach, zu sehen, wenn jemand nicht mehr so kann, wie er möchte, und die Fähigkeiten nachlassen.“

Ein Thema, das auch Alexander Baum beschäftigt. „Es ist sicher schwer, wenn jemand stirbt.“ Der 18-Jährige wird seine Ausbildung zur Altenpflegefachkraft Anfang Oktober beginnen. Zunächst absolvierte er ein Praktikum in einer Kfz-Werkstatt – für manchen jungen Mann noch der Traumjob. Doch Alexander wird nicht so richtig warm mit dem technischen Beruf. Vielmehr macht ihm ein Praktikum bei der Diakonie ambulant Lust auf mehr. „Ich hab’ da richtig viel gelernt, hoffe, dass ich die Menschen im Alltag unterstützen kann“, sagt er. Thomas Nehr verrät: „Wir fanden, Alexander hat bei seiner Arbeit etwas ganz Tolles mitgebracht: Er hat Lebensfreude versprüht.“

Im Alltag gilt es für die Mitarbeiter, soziale, medizinische und pflegerische Aspekte der Tätigkeit zu verbinden. Auch wenn sich die Arbeit vom Pflegeheim strukturell unterscheidet, müssen die Touren und Aufenthalte einem Zeitplan folgen. Für den einzelnen Mitarbeiter ist es dann eine Erfahrungssache, sich die Zeit einzuteilen, selbst zu entscheiden, wo ein bisschen drangehängt werden kann. Dabei soll auch die Ausbildung helfen, auf deren Qualität die Diakonie ambulant besonderen Wert legt. Für die Auszubildenden gibt es drei qualifizierte Mentoren, die die jungen Leute anleiten und begleiten. „Und diese signalisieren ja auch, ob sie sich in einem Unternehmen gut aufgehoben fühlen“, so Nehr.

Altenpflegefachkraft zu sein, bedeutet, Menschen zu begleiten, die im Alter mit körperlichen Leiden und Einschränkungen zu kämpfen haben. Sicher keine leichte Arbeit. Davon, dass sie aber durchaus spannend und bereichernd sein kann, berichten Jasmin Scheib, Auszubildende, und Ralf Menzel, Pflegedienstleiter bei der Diakonie ambulant. Eine Sache, von der auch Alexander Baum überzeugt ist, der im Oktober seine Ausbildung als Altenpflegefachkraft beginnt.